Die 101te Montags-Lesung – vor der geschlossenen Bibliothekstür in Krefeld-Uerdingen

Seit über 100 Montagen protestieren engagierte Bürgerinnen und Bürger in Krefeld-Uerdingen gegen die Schließung ihrer Zweigbibliothek. Die VS-Mitglieder Autorin Liesel Willems und Autor Hans-Martin Große-Oetringhaus haben sich mit Lesungen vor der geschlossenen Bibliothekstür diesem Protest angeschlossen.

Wie es zu dieser Aktionsform kam, macht der Arbeitskreis deutlich, der sich gegen die Bibliotheksschließung gebildet hat:  „Groß war der Frust, hin- und hergerissen zwischen Verzagtheit und ohnmächtigem Zorn schwankte die Stimmung des Arbeitskreises im Mai 2013: nicht einmal 24 Stunden nach dem Schließungsbeschluss wurde die Bücherei handstreichartig für die Öffentlichkeit geschlossen. Groß muss die Furcht bei Politik und Verwaltung vor den Reaktionen der AK-Mitglieder sowie der Bürgerschaft gewesen sein. Schließlich waren alle unsere Mühen vergeblich, alles urdemokratische Engagement von der Ratsmehrheit ignoriert: eine Menschen Kette aus 450 Bürgerinnen und Bürgern, 6400 Unterschriften, 1350 an den Oberbürgermeister gerichtete Postkarten, ungezählte Stunden am Infostand und für Gespräche. In dieser Stimmung schlug ein AK-Mitglied spontan in Anlehnung an die berühmten Montagsdemos regelmäßige Montagslesungen vor dem Büchereigebäude in Uerdingen vor. Das Gefühl der Ohnmacht hatte eine aktive Wendung genommen. Eine Veranstaltung war geboren, von der wohl im Stillen kaum einer glaubte, dass sie von so langer Lebensdauer wäre. Am 27.05.2013 fand die erste Lesung statt. Ca. 60 Personen lauschten ihm. Und bis heute findet dieser Termin regelmäßig montags statt. Die Lesungen finden immer nach einem kleinen Ritual statt zum dem auch das gemeinsames Singen der Strophe Die Gedanken sind frei gehört.“

Der Autor Hans-Martin Große-Oetringhaus wollte Ende April 2015 am 101ten Montag mit einer Lesung aus seinen Büchern zu den Kinderrechten vor der geschlossenen Stadtteilbücherei mithelfen, ein Zeichen zu setzen, dass dieser Ort der Literatur nicht widerstandslos aufgegeben werden darf. Schließlich ist in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen nachzulesen, dass es ein Recht der Kinder ist, den Zugang zu eigenen, adäquaten Medien zu haben.

grosse-oetringhaus
geboren 1948 im Sauerland Lehrerstudium; Diplom Arbeit als Diplompädagoge in einer Obdachlosensiedlung (1973/74) Promotion in Pädagogik über das Schulsystem der Schwarzen in Südafrika (1977) Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Wissenschaftliche Pädagogik (1978/79) zehn Jahre lang Lehrauftrag zur Pädagogik der Dritten Welt an der Universität Münster freiberufliche Tätigkeit als Journalist und Schriftsteller von 1984 bis 2013 Referent für Globales Lernen bei der entwicklungspolitischen Kinderhilfsorganisation terre des hommes in Osnabrück. Herausgeber zweier Buchreihen von terre des hommes: „Bücher für eine Erde der Menschlichkeit“ und „edition terre des hommes“ zahlreiche Arbeits- und Studienaufenthalte ins Ausland, davon zwölf nach Afrika, vier nach Lateinamerika, fünf nach Asien, zwei nach Australien seit 1980 Veröffentlichung von Kinder- und Jugendbüchern, später auch Romane und Anthologien für Erwachsene. Beiträge in zahlreichen Anthologien ; inzwischen über 60 Buchpublikationen und Mitarbeit in über 60 Anthologien Verschiedene Preise, u.a. den Preis der Leseratten des ZDF und den Kinder- und Jugendliteraturpreis der Stadt Bad Wildbad. lebt heute in Krefeld